Beiträge der Stiftung Privatmedizin, Nr.1

„Gesund ist, wer wählen darf“

Eigenverantwortung im Gesundheitssystem: Der Zusammenhang von Gesund- und Wahlfreiheit

 

Franz Porzsolt

Wer hinterfragen will, ob Wahlfreiheit gesund macht, muss Zirkelschlüsse wie auch kryptonormative Aussagen erkennen und sich mit den unterschiedlichen Effekten auseinandersetzen, die entstehen, wenn Menschen mit starken oder schwachen Präferenzen auf ihre Wahlfreiheit verzichten müssen, um randomisiert werden zu können. Die Bereitschaft, auf die Wahlfreiheit zu verzichten, spaltet Ärzte, Patienten und Wissenschaftler in zwei Lager: Beide Lager verstehen, dass man in einem Heilberuf keine isolierten, spezifischen Effekte vermitteln kann, ohne nicht gleichzeitig unspezifische Effekte zu induzieren. Eines der beiden Lager akzeptiert aber nur Messmethoden, die unspezifische Effekte ausblenden. An ausgewählten Beispielen wird gezeigt, dass dieses Ausblenden auch nicht die gesamte Wahrheit aufdeckt, sondern eben nur eine andere. Dass alle Menschen Risiken vermeiden wollen, haben Nobelpreisträger aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften nachgewiesen. Dass vor allem kranke Menschen nicht nur Risiken reduzieren, sondern sich vor allem sicher fühlen wollen, glaubt jeder. Es ist aber noch nicht nachgewiesen. Wir erklären in unserem Aufsatz zwar den Unterschied zwischen Risikoreduktion und Gefühlter Sicherheit, können aber nicht klären, ob wir wegen des fehlenden Nachweises darauf verzichten sollen, den Patienten Gefühlte Sicherheit – in ethisch vertretbarem Rahmen – zu vermitteln. Es sollte deutlich gemacht werden, dass wir uns das Leben zu einfach machen, wenn wir das Kind einfach mit dem Bade ausschütten. Ob Wahlfreiheit gesund macht, ist deshalb keine triviale Frage, auch wenn manche meinen, es handle sich um eine „Badewissenschaft“. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Gesundheitsversorgung „baden gehen könnte“ wenn wir uns dieser Frage nicht ernsthaft annehmen.

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